Seit dem 1. April dürfen Tankstellen in Niedersachsen ihre Preise nur noch um 12 Uhr mittags anpassen – eine Regel, die ursprünglich eingeführt wurde, um Preisänderungen planbarer zu machen (NDR). Während der ADAC diese Vorgabe inzwischen komplett abschaffen will, fordert das niedersächsische Wirtschaftsministerium eine Verschiebung des Zeitpunkts auf den Abend (NDR).
Warum die 12‑Uhr‑Regel kritisiert wird
Laut dem Niedersachen‑Wirtschaftsministerium sei die Grundidee der Regel korrekt, weil sie das Tanken verlässlicher mache (NDR). Das eigentliche Problem liege jedoch in der gewählten Uhrzeit: Viele Berufstätige und Familien könnten am Vormittag nicht zur Tankstelle fahren, weil Arbeit oder Kinderbetreuung Vorrang hätten (NDR). Deshalb soll die Preisänderung erst um 20 Uhr stattfinden – ein Zeitpunkt, zu dem ein größerer Teil der Bevölkerung nach Feierabend noch die Möglichkeit zum Tanken hat.
ADAC‑Stellungnahme und bisherige Effekte
Der ADAC hatte bereits im März gefordert, die 12‑Uhr‑Regel vollständig abzuschaffen (NDR). Der Automobilclub betonte, dass die Regel zwar die Zahl der täglichen Preisänderungen deutlich reduziert habe, jedoch nicht zu niedrigeren Preisen führe (NDR). Im Gegenteil, die Preisdifferenz innerhalb eines Tages sei laut ADAC sogar ausgeweitet worden.
Studienergebnisse zum Einfluss einzelner Preiserhöhungen
Das Leibniz‑Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat Ende April in einer Auswertung festgestellt, dass die einmalige tägliche Preisänderung zu höheren Durchschnittspreisen führe (NDR). Die Analyse zeigt, dass ein einziger Preisanstieg am Tag das mittlere Preisniveau anheben kann, weil Verbraucher ihre Tankgewohnheiten nicht sofort anpassen.
Bundesweite Entlastungsmaßnahmen
Parallel zur Diskussion um die regionale Regelung plant die Bundesregierung ein umfangreiches Entlastungspaket für Kraftstoffverbraucher. Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf zum neuen Tankrabatt vorgelegt; der Bundesrat soll am Freitag darüber abstimmen (NDR). Von Anfang Oktober bis Ende Dezember sollen die Energiesteuern auf Diesel und Benzin um rund 14 Cent pro Liter gesenkt werden, während gleichzeitig die Mehrwertsteuer angepasst wird.
Wie die geplante Zeitverschiebung aussehen könnte
Eine Preisänderung um 20 Uhr würde es Berufstätigen ermöglichen, nach dem Arbeitstag noch zu den günstigeren Preisen zu tanken, bevor der nächste Tag beginnt. Familien mit Kindern könnten zudem nach dem Abendessen oder vor dem Schlafengehen die Tankstelle anfahren, ohne während der Arbeitszeit ausweichen zu müssen (NDR). Die geplante Regelung würde damit nicht nur die Flexibilität erhöhen, sondern potenziell auch den Wettbewerb zwischen den Tankstellen stärken, weil Preisänderungen besser sichtbar und vergleichbar wären.
Was das für Verbraucher bedeutet
Für Autofahrer in Niedersachsen heißt das: Sollte der Gesetzentwurf umgesetzt werden, können sie künftig bis 20 Uhr warten, um von eventuell günstigeren Preisen zu profitieren. Wer bereits früher tanken muss – etwa wegen langer Fahrstrecken oder dringender Lieferungen – sollte die aktuellen 12‑Uhr‑Preise weiterhin im Blick behalten. Gleichzeitig könnten die bundesweiten Steuersenkungen und der neue Tankrabatt ab Oktober die Spritkosten weiter reduzieren, sodass sich das Gesamtbild für Verbraucher positiv verändern dürfte.