Die Ernte 2026 in Deutschland ist durch hitzebedingte Trockenheit stark beeinträchtigt worden, insbesondere in den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Laut Angaben des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV) erwartet man einen Rückgang der Getreideernte um etwa 10 % im Vergleich zum Vorjahr.
Ernteeinbußen in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein sind die Erträge unterdurchschnittlich ausgefallen. Das Landwirtschaftsministerium, das Statistikamt Nord, die Landwirtschaftskammer und der Bauernverband berichteten, dass auf etwa 278.600 Hektar Getreide eine Gesamternte von knapp 2,2 Millionen Tonnen erreicht wurde – rund 224.000 Tonnen weniger als im Vorjahr.
Insbesondere die Rapsernte litt stark: Auf einer Anbaufläche von etwa 61.000 Hektar wurden nur 208.400 Tonnen Raps geerntet, was einem Rückgang von 13 % gegenüber 2025 und 23 % unter dem langjährigen Durchschnitt entspricht. Der Hektarertrag sank um 10 % auf 34,2 Dezitonnen.
Winterweizen: Erhebliche Einbußen
Der Winterweizen, die bedeutendste Getreideart in Schleswig-Holstein, zeigte ebenfalls erhebliche Verluste. Auf einer Fläche von 126.300 Hektar wurden rund 1,06 Millionen Tonnen geerntet – 14 % weniger als im Vorjahr und 15 % unter dem langjährigen Durchschnitt. Der durchschnittliche Ertrag lag in diesem Jahr bei 83,5 Dezitonnen je Hektar, was 8 % niedriger ist als 2025.
Während auf besseren Böden noch gute Erträge erzielt wurden, litten leichtere Standorte stark unter Trockenheit und Hitze während der Kornfüllungsphase. Diese Bedingungen führten zu einer ungleichmäßigen Verteilung der Erträge.
Wintergerste: Relativ stabile Erträge
In Kontrast dazu schnitt die Wintergerste vergleichsweise gut ab. Auf einer um 4 % gestiegenen Anbaufläche zeigten sich stabilere Erträge, obwohl auch hier negative Auswirkungen der Witterung zu verzeichnen waren.
Große Einbußen in Niedersachsen
In Niedersachsen, einer weiteren wichtigen Kornkammer Deutschlands, sind die Ernteeinbußen ebenfalls erheblich. Landwirte im Kreis Diepholz berichten von bis zu 20 % geringeren Erträgen. Die trockenen Bedingungen und hohe Temperaturen haben das Wachstum der Getreidearten stark beeinträchtigt.
Der DRV erwartet insgesamt deutliche Verluste für Winterweizen, Sommergerste und Körnermais. Die Wintergerste konnte vergleichsweise stabil bleiben, was in den Regionen mit besseren Bodenbedingungen besonders offensichtlich ist.
Auswirkungen auf die Märkte
Die starken Ernteeinbußen haben bereits erste Auswirkungen auf die Marktpreise. Der DRV weist darauf hin, dass sich die Preise für Getreide und Raps wahrscheinlich steigern werden, da die Versorgungslage sich verengt hat. Die Landwirte befürchten zudem, dass die Erträge der Herbstkulturen durch die anhaltenden ungunstigen Wetterbedingungen gefährdet sind.
Was das für Verbraucher bedeutet: Die sinkenden Getreideernten und steigenden Marktpreise können sich in den kommenden Monaten auf Lebensmittelpreise auswirken. Verbraucher sollten mit möglichen Preissteigerungen bei Brot, Backzutaten und tierischen Produkten rechnen.