Im Rahmen des Internationalen Jahres der Landwirtin 2026 hat das Forum Moderne Landwirtschaft in Berlin eine Online‑Umfrage unter rund 2 500 Personen ab 18 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 1. September 2026, geben Aufschluss darüber, wie die Bevölkerung Frauen in leitenden Agrarpositionen wahrnimmt und welche Hürden sie sehen. (Quelle: Forum Moderne Landwirtschaft)
Gesellschaftliche Einstellung zu weiblicher Führung
Laut Umfrage betrachten 65,9 % der Befragten erfolgreiche Landwirtinnen als wichtige Vorbilder, während 50,8 % erwarten, dass ein höherer Frauenanteil in Führungsrollen die Branche positiv beeinflusst. Fast jede zweite Person ist überzeugt, dass mehr Frauen die Zukunftsfähigkeit der Landwirtschaft stärken. (Quelle: Forum Moderne Landwirtschaft)
Dennoch zeigen die Befragten auch die größten Hindernisse: 44,2 % nennen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, 42,9 % traditionelle Rollenbilder und 39,7 % die mangelnde Anerkennung weiblicher Kompetenz. Offizielle Daten belegen, dass im Jahr 2023 lediglich 11,3 % der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von Frauen geleitet wurden. (Quelle: Forum Moderne Landwirtschaft)
Forderungen nach besseren Finanzierungsbedingungen
Auf dem Vier‑Länder‑Treffen der Frauenverbände in Hamburg – ein Event zum Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026 – fordern Vertreterinnen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Südtirol bessere Kredit‑ und Förderinstrumente. Die Verbände vertreten rund 646 000 Bäuerinnen und Landfrauen.
Petra Bentkämper, Präsidentin des Deutschen LandFrauenverbandes, betont, dass frauengeführte Unternehmen nachweislich risikoärmer und zuverlässiger bei der Kreditrückzahlung seien sowie bessere ESG‑Ergebnisse erzielen. (Quelle: Petra Bentkämper)
Die Verbände verlangen geschlechtergerechte Finanzprodukte, die Hürden wie kleinere Betriebsgrößen, fehlende Sicherheiten oder das Fehlen eines anerkannten Betriebsleiterinnenstatus abbauen. Kreditgeber sollen bei Entscheidungen die Nachhaltigkeits‑ und Risikobilanz weiblicher Betriebe stärker berücksichtigen. (Quelle: Deutscher LandFrauenverband)
Zusätzlich soll ein Netzwerk aus Bildungs‑, Beratungs‑ und Unterstützungsangeboten Frauen beim Erwerb von Finanzkenntnissen, der Betriebsübernahme und Investitionen helfen.
Politische und strukturelle Handlungsempfehlungen
Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forums Moderne Landwirtschaft, sieht Sichtbarkeit als entscheidenden Hebel, um historisch gewachsene Strukturen zu durchbrechen. Sie kritisiert den abwertenden Gebrauch des Begriffs „Quotenfrau“ und plädiert für mehr Chancen qualifizierter Frauen: „Wenn sich eine Tür öffnet und eine Frau fachlich etwas beizutragen hat, sollte sie die Bühne nutzen.“ (Quelle: Lea Fließ)
Das Forum fordert verlässliche Betreuungsangebote im ländlichen Raum, flexible Führungsmodelle, transparente Karrierewege und eine bessere soziale Absicherung für Frauen, die Verantwortung auf landwirtschaftlichen Betrieben übernehmen.
Was das für Verbraucher bedeutet
Mehr weibliche Führungskräfte können zu nachhaltigeren Anbaumethoden, höherer Tierwohl‑ und Umweltstandards sowie einer stärkeren Kundenorientierung führen. Durch verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten erhalten Frauen die Chance, innovative Konzepte zu realisieren – von regionalen Direktvermarktungen bis hin zu ökologischen Produktionssystemen. Für den Verbraucher bedeutet das eine breitere Auswahl an qualitativ hochwertigen, umweltfreundlich erzeugten Lebensmitteln und ein transparenteres Bild davon, wer hinter dem Produkt steht.