Top-Themen: Vertragstreue unter Vorbehalt? Einige Mäster hielten an ihren langfristigen Kostpreisverträgen im Bauernschätze-Programm fest. Nun kündigte Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen (NST) diese Verträge fristlos.
Wirtschaftliche Herausforderungen und Vertragstreu
Edeka NST vermarktet seit 2024 Tierwohl-Schweinefleisch im Programm "Bauernschätze". Aufgrund der "Unzumutbarkeit der Festpreise" hat die Regionalgesellschaft nun Verträge mit den Landwirten fristlos gekündigt. (Quelle: Top-Agrar) Die ISN findet deutliche Worte in diesem Kontext. Der Lebensmitteleinzelhandel (LEH) hat in den vergangenen Jahren die Bedeutung von Tierwohl-Fleisch aus den höheren Haltungsformen 3 und 4 betont. Auch Edeka NST hatte seit 2024 neun Ferkelerzeuger und 18 Mäster unter Vertrag genommen, garantierte ihnen Preise auf Vollkostenbasis.
Konflikt um Kostpreisverträge
Anfang Juni berichteten wir in der SUS über die Kehrtwende: Edeka NST kündigte die Kostpreisverträge mit den Ferkelerzeugern und bot den Mästern an, vorzeitig auf ein Aufschlagsmodell umzusteigen. Als Grund nannte das Unternehmen vor allem die enttäuschenden Absatz- und Umsatzzahlen bei Bauernschätze-Schweinefleisch aus Haltungsform 3.
Nun verschärft sich der Konflikt erneut. Einige Mäster lehnten den vorzeitigen Wechsel ab und hielten an ihren bisherigen Kostpreisverträgen fest, da diese Verträge zum Teil noch mehrere Jahre liefen. Einige Betriebe hatten auf dieser Grundlage zudem erheblich in neue Tierwohlställe investiert und ihre Finanzierung darauf ausgerichtet.
Kritik der ISN
Nun will Edeka NST offenbar auch solche noch laufenden Verträge vorzeitig beenden. Der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) liegen entsprechende Kündigungsschreiben vor, die wir einsehen konnten. Darin hat die Regionalgesellschaft den Betrieben, die im bisherigen Kostpreismodell geblieben sind, kurzfristig und fristlos gekündigt. In ihrem Schreiben begründet das Unternehmen diesen Schritt mit der "Marktlage und Wettbewerbssituation" sowie mit der "wirtschaftlichen Unzumutbarkeit des sogenannten Kostpreises". Deshalb sehe sich das Unternehmen veranlasst, „von unserem Recht zur fristlosen Kündigung Gebrauch zu machen“. (Quelle: Top-Agrar) Geschäftsführer Dr. Torsten Staack der ISN kritisiert das Vorgehen scharf: „Das Vorgehen zeigt, wie schamlos Marktakteure gegenwärtig ihre dominante Marktposition zu Lasten der Bauern ausnutzen!“
Was das für Verbraucher bedeutet
Die Kündigung fristloser Kostpreisverträge könnte eine Instabilität in der Leitung von Tierwohl-Fleisch im LEH schaffen. Obwohl Edeka die wirtschaftliche Unzumutbarkeit betont, ist es wichtig zu beachten, dass die Verträge mit Mästern und Ferkelerzeugern eine langfristige Planung ermöglichten und erhebliche Investitionen gefördert haben. Verbraucher könnten in Zukunft mehr Flexibilität im Preis für Tierwohl-Fleisch erwarten, aber auch Unsicherheiten hinsichtlich der Verfügbarkeit hochwertigen Fleisches.