Durch anhaltende Trockenperioden und hohe Temperaturen wird in vielen Regionen immer häufiger kolbenloser oder stark kolbenarmer Mais angebaut. Ohne den typischen Kolbenansatz fehlt der Speicherort für die Umwandlung von Pflanzenzucker zu Stärke, sodass mehr als 20 % des Trockengewichts aus Zucker bestehen können – ein Niveau, das die alkoholische Fehlgärung begünstigt (Top Agrar).
Erhöhte Zuckergehalte bei kolbenlosem Mais
Die reduzierten Wachstumsraten und eingerollten Blätter zeigen bereits im Feld, dass der Mais stark unter Wassermangel leidet. Dieser Stress führt dazu, dass die Pflanze mehr Zucker anlegt, weil die üblichen Umwandlungsprozesse zu Stärke eingeschränkt sind. Der hohe Zuckergehalt stellt ein erhebliches Substrat für Hefen dar.
Gefahr alkoholischer Fehlgärung im Silierprozess
Sobald das Maismaterial ensiliert wird, sinkt der pH‑Wert und schafft optimale Bedingungen für Hefen. Diese beginnen sofort mit der Alkoholproduktion, wobei Ethanol bereits zu Beginn des Silierens entsteht. Die resultierende Fehlgärung kann nicht nur die Futterqualität mindern, sondern auch zu einer unerwünschten Nacherwärmung führen.
Wirksame Gegenmaßnahmen
Zur Unterdrückung der Hefen direkt am Anfang des Silierprozesses empfiehlt Top Agrar den gezielten Einsatz chemischer Siliermittel. Produkte auf Basis von Kaliumsorbat, Natriumbenzoat oder Natriumpropionat haben sich als wirksam erwiesen; ein Versuch mit Kaliumsorbat zeigte nach nur 14 Tagen eine deutliche Reduktion der Ethanolverbildung (top agrar Rind).
Im Gegensatz zu rein aeroben Stabilitätsmaßnahmen, die vor allem die Anwesenheit von Hefen im fertigen Futtermittel minimieren, wirkt das chemische Siliermittel bereits während der ersten Phase des Säuerungsprozesses. Essigsäure‑bildende Bakterienprodukte können die aerobe Stabilität verbessern, zeigen jedoch kaum Effekte bei der Vermeidung von Alkoholbildung.
Praxisempfehlungen für Landwirte
1. Separate Lagerung: Kolbenloser Mais sollte getrennt von regulärem Silomais gelagert werden, um die Kontamination mit hochzuckrigen Materialien zu vermeiden.
2. Frühzeitiger Einsatz von chemischen Additiven: Direkt nach dem Einbringen des Materials in den Silos Kaliumsorbat oder vergleichbare Wirkstoffe zufügen.
3. Kontinuierliche pH‑Überwachung: Eine schnelle Absenkung des pH‑Werts ist ein Indikator für die beginnende Hefetätigkeit – rechtzeitiges Handeln kann die Alkoholproduktion eindämmen.
4. Dünge- und Bewässerungsmanagement: Wo möglich, durch gezielte Bewässerung das Auftreten von kolbenlosem Mais reduzieren.
Was das für Verbraucher bedeutet
Die Qualität des Futters beeinflusst direkt die Tiergesundheit und damit die Sicherheit von Milch‑ und Fleischprodukten. Durch den Einsatz geeigneter Siliermittel können Landwirte die Entstehung von Alkohol im Futter verhindern, was zu einer besseren Nährstoffbilanz und geringeren Rückständen in tierischen Erzeugnissen führt. Verbraucher profitieren letztlich von stabilen Preisen und einer höheren Transparenz in der Lebensmittelkette.