Im Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 hat die Volksbank Braunschweig‑Wolfsburg (BRAWO) einen Fehlbetrag von mehr als 600 Millionen Euro ausgewiesen. Der Betrag ist laut NDR Niedersachsen so hoch, dass die Bank ohne zusätzliche Mittel nicht zahlungsfähig bleiben kann.
Fehlbetrag und Finanzbedarf
Um den Fehlbetrag auszugleichen, soll der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) bis zu 720 Millionen Euro bereitstellen. Davon sollen 473 Millionen Euro in Form von Garantien fließen, während über die Übernahme von BRAWO‑Anteilen im Wert von bis zu 250 Millionen Euro als zusätzliche Deckungsmaßnahme diskutiert wird (NDR Niedersachsen). Zusätzlich hat die Bank bereits Reserven aus einem Fonds in Höhe von 136 Millionen Euro aufgelöst.
Ursachen des Verlusts
Laut Interims‑Vorstandssprecher Lars Berkefeld entstand der Großteil des Fehlbetrags durch Aktivitäten außerhalb des reinen Bankgeschäfts. Besonders die Immobilieninvestitionen der BRAWO führten zu erheblichen Wertverlusten, weil die Immobilienpreise in den vergangenen Jahren stark eingebrochen sind. Berkefeld gibt an, dass 80 Prozent des ausgewiesenen Fehlbetrags auf diese Immobilienbewertung zurückzuführen seien (NDR Niedersachsen). Auch Unternehmensbeteiligungen erbrachten weniger Ertrag als erwartet und trugen maßgeblich zum Minus bei, während der reine Finanzbereich – etwa negative Bewertungen von Krediten und Wertpapieren – nur einen kleinen Bruchteil des Verlusts ausmachte.
Geplante Rettungsmaßnahmen
Der BVR soll mit den genannten Garantien und möglichen Anteilsübernahmen die Liquidität der BRAWO stabilisieren. Die Auflösung von Fonds‑Reserven in Höhe von 136 Millionen Euro stellt einen zusätzlichen Puffer dar (NDR Niedersachsen). Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Bank ihre Verbindlichkeiten gegenüber Kunden und Geschäftspartnern weiterhin erfüllen kann.
Strategische Neuausrichtung der Bank
Parallel zu den finanziellen Rettungsmaßnahmen plant die BRAWO eine grundlegende Neuausrichtung ihres Geschäftsmodells. Laut Berkefeld lautet das Leitbild: „Mehr Bank, mehr Region, weniger Komplexität.“ Ziel sei es, in den kommenden Jahren wieder zu einer klassischen Volksbank für die Heimatregion zu werden und das bisherige Immobiliengeschäft stark zurückzufahren (NDR Niedersachsen).
Was das für Verbraucher bedeutet
Für Kunden der BRAWO sowie für Unternehmen und landwirtschaftliche Betriebe in der Region bedeutet die aktuelle Lage zunächst keine sofortigen Einschränkungen beim Kontozugriff oder bei Krediten. Durch die garantierten Mittel des BVR und die Auflösung von Fonds‑Reserven soll die Zahlungsfähigkeit erhalten bleiben. Langfristig kann jedoch eine striktere Kreditvergabe und ein stärker fokussiertes Regionalgeschäft zu erwarten sein, da die Bank ihre Aktivitäten im Immobilien- und Beteiligungsbereich reduzieren wird. Verbraucher sollten daher mit möglichen Änderungen in den Produktangeboten rechnen, während die Grundsicherheit ihrer Einlagen durch die staatlich unterstützte Rettung gewährleistet bleibt.