Die Weideprämie könnte die Weidehaltung von Milchkühen in Deutschland stärken. Deshalb gehört die Prämie wie angekündigt in der Agrarförderung, meint Milcherzeugerin Kirsten Wosnitza, Mitglied der GAP-Fachgruppe der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) e.V. (Topagrar.com/rind/news/weide-starken-statt-streichen-regierung-muss-bei-weidepramie-umsteuern-20027650.html)
Milchkühe auf der Weide sind in Grünlandregionen immer seltener zu sehen. Mit der Weideprämie hätten Betriebe einen Teil der Mehrkosten ausgleichen können, erklärt Wosnitza. Die Weidehaltung von Milchkühen ist seit Jahren rückläufig – selbst in klassischen Grünlandregionen. Dabei ist ihr Potenzial groß: mehr Tierwohl, mehr Grünlandschutz, mehr Biodiversität und wertvolle Kulturlandschaften (Topagrar.com/rind/news/weide-starken-statt-streichen-regierung-muss-bei-weidepramie-umsteuern-20027650.html).
Nun, Mitte 2026 geriet die Debatte rund um die Weideprämie erneut ins Rollen. Das Bundesministerium gab Anfang Juni den Entwurf für ein Bürokratieabbaugesetz in die Ressortabstimmung. Der Entwurf sieht vor, das GAP-Direktzahlungen-Gesetz zu ändern. Konkret betroffen ist der in § 20 Absatz 3 Satz 2 GAP-Direktzahlungen-Gesetz, der für die Förderperiode 2027 zwei neue Ökoregelungen einführen sollte, darunter die Weideprämie für Milchkühe. Kurz darauf verbreiteten sich Schlagzeilen mit dem sinngemäßen Titel „Bund streicht Weideprämie als Bürokratieabbau“. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) äußert sich daraufhin am 23.07. in Form eines kurzen Erklärvideos – und löst damit eine Welle an Gegenspruch aus.
Im Video betont das BMLEH, dass keine bestehende Förderung abgeschafft werden sollte, da die Öko-Regelung noch nicht in Kraft gewesen sei. Diese Darstellung greift zu kurz, schreibt der Referentenentwurf. Die Weideprämie wurde 2024 von der Ampelregierung als Ausgleich für die Rücknahme von Umweltstandards in der GAP gesetzlich beschlossen. Eine gesetzlich beschlossene Maßnahme zu streichen, bedeutet für die Politik einen Widerspruch (Topagrar.com/rind/news/weidepramie-debatte-in-den-sozialen-medien-neu-entfacht-20027580.html).
Die Ablehnung der Weideprämie unter Verweis auf bestehende Agrarumweltprogramme im Jahr 2024, die Absage einer bundesweiten Förderung der Weidehaltung als Ökosystemleistung im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Jahr 2018 sowie die Vorstellung eines Vier-Punkte-Plans für die Zukunft der Milchviehhaltung ohne eine einheitliche Weideprämie im Jahr 2023 sind nur einige Beispiele, bei denen die Forderungen von Weidehaltern sowie Agrar- und Umweltverbänden durch länderabhängige Alternativen vertröstet wurden. Nun ist der Frust von Milcherzeugern mit Weidehaltung unter einem aktuellen Video des BMLEH erneut aufgekocht (Topagrar.com/rind/news/weidepramie-debatte-in-den-sozialen-medien-neu-entfacht-20027580.html).
Sachstand
In den sozialen Medien entflammen Diskussionen, ob die Weideprämie tatsächlich abgeschafft wird. Milcherzeuger und Agrarpolitik sind in einem neuen Schlagabtausch. Einheitliche Weideprämie scheint erneut in die Zukunft gerückt.
Dieser Sachstand bedeutet für Verbraucher, dass sie sich auf eine Fortsetzung der Debatte mit zunehmendem Widerstreit zwischen Milcherzeugern und Politik verlegen müssen. Eine klare Lösung bleibt aus, was mögliche Veränderungen in der Tierhaltungs- und Kostensituation beeinflussen könnte.