Niedersachsen leidet unter den erneuten wirtschaftlichen Problemen der Galeria-Kette. Das Amtsgericht Düsseldorf hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren für die Warenhauskette eingeleitet. In Niedersachsen und Bremen sind insgesamt 672 Beschäftigte betroffen, darunter 108 in Hannover, 84 in Lüneburg, 93 in Braunschweig, 57 in Göttingen, 68 in Goslar sowie 82 in Oldenburg. "Seit Jahren tragen sie alles dazu bei, um die Standorte zu erhalten", so Sabine Gatz, Ver.di-Fachbereichsleiterin.

Viel Kritik an Galeria

Betroffene Arbeitnehmer und -arbeitnehmer haben in den letzten Jahren ihre Gehälter verlangsamt. "Die erneute Insolvenz trifft die Beschäftigten nach ihrem jahrelangen Gehaltsverzicht umso härter", klagt Gatz.

Verdi fordert Perspektiven

Vereinigte Deutsche Industriearbeiter (Ver.di) fordern jetzt Perspektiven für die betroffenen Häuser. Ob die Mitarbeiter Insolvenzgeld erhalten, ist unklar. "Das Vertrauen in die handelnden Personen hat einen neuen Tiefpunkt erreicht", kommentiert Thorsten Kornblum, Oberbürgermeister von Braunschweig (SPD).

Strukturwandel im Einzelhandel

Die Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) sieht in der Insolvenz ein deutliches Signal für den Strukturwandel im Einzelhandel. Onlinehandel, verändertes Konsumverhalten und hohe Kosten setzten Warenhäuser unter Druck.

Die IHKN nennt die Galeria-Kette wichtige Frequenzbringer und Ankerbetriebe: "Große Warenhäuser sind nach wie vor wichtige Frequenzbringer und Ankerbetriebe." Trotzdem fordert das Verband, dass schnell Klarheit über die Zukunft der Standorte herrscht. Schließungen könnten Leerstände erzeugen, was auch benachbarte Geschäfte und die Gastronomie betreffen könnte.

Die Galeria-Kette hat bereits drei Insolvenzen in den letzten sechs Jahren umgesetzt. Der Verband sieht im Ende von Kaufhäusern Chancen: "Es gibt immer wieder Mietnachlässe, auch wenn viele davon durch die Insolvenz freigegeben werden", sagt Kathrin Wiellowicz, IHKN-Sprecherin.

Die Kritik an Galeria ist groß. Thorsten Kornblum spricht von einem "Schlag ins Gesicht": "Seit Jahren haben wir mit dem Verhandeln gelegen und auch investiert. Es wird Zeit, dass jetzt endlich Hand gehalten wird." Stattdessen fordere Galeria immer neue Mietnachlässe, obwohl zugesagte Investitionen kaum umgesetzt worden seien.

Was das für Verbraucher bedeutet

Die Insolvenz von Galeria-Ketten bedeutet einen weiteren Schlag für den Einzelhandel in Niedersachsen. Besitzer und Mieter der betroffenen Häuser werden sich nun mit den Folgen auseinandersetzen müssen, während die Arbeitnehmer nach einer Zukunft suchen. Verbraucher sollten sich auf mögliche Veränderungen im Angebot einstellen: Es könnte zu Preiskämpfen kommen, aber auch zu Leerständen in der Nachbarschaft.

Related coverage